Was tun bei Gerüchen im Umfeld einer Kleinkläranlage?

Hinweis

Die Anforderungen können je nach Bundesland, Landkreis, Gemeinde, Einleitstelle und Standort unterschiedlich sein. Verbindlich sind immer die Vorgaben der zuständigen Unteren Wasserbehörde, der jeweiligen Satzung, der wasserrechtlichen Erlaubnis und der technischen Unterlagen zur jeweiligen Anlage.


Einleitung

Gerüche im Umfeld einer Kleinkläranlage können verschiedene Ursachen haben. Nicht immer liegt die Ursache direkt in der Kläranlage selbst.

Auch Entlüftung, Rohrleitungen, Geruchsverschlüsse im Gebäude, Rückstau, falsche Einleitungen oder Betriebsstörungen können dazu führen, dass unangenehme Gerüche wahrgenommen werden.

Eine fachgerecht eingebaute, richtig belüftete und regelmäßig gewartete Kleinkläranlage sollte im normalen Betrieb geruchsarm arbeiten.


Wo können Gerüche entstehen?

Gerüche können an unterschiedlichen Stellen auftreten.

Mögliche Bereiche sind:

→ im Gebäude
→ im Badezimmer
→ an Bodenabläufen
→ an Waschbecken oder Duschen
→ im Bereich der Kläranlage
→ am Schaltschrank oder Technikbereich
→ an der Einleitstelle
→ an der Versickerung
→ im Bereich von Schächten oder Leitungen

Deshalb sollte zuerst eingegrenzt werden, wo der Geruch tatsächlich auftritt.


Liegt die Ursache immer an der Kleinkläranlage?

Nein. Gerüche werden häufig vorschnell der Kleinkläranlage zugeschrieben, obwohl die Ursache an anderer Stelle liegen kann.

Mögliche Ursachen außerhalb der Anlage sind:

→ ausgetrocknete Geruchsverschlüsse
→ fehlende oder mangelhafte Dachentlüftung
→ undichte Rohrleitungen
→ fehlender Siphon
→ Rückstau in der Hausentwässerung
→ selten genutzte Abläufe
→ falsche Belüftung der Abwasserleitungen
→ bauliche Probleme an Schächten oder Leitungen

Besonders in selten genutzten Gebäuden, Ferienhäusern oder Wochenendhäusern können Geruchsverschlüsse austrocknen. Dann kann Kanal- oder Abwassergeruch ins Gebäude gelangen.


Was sollte zuerst geprüft werden?

Bei Gerüchen sollte systematisch geprüft werden, wo die Ursache liegen kann.

Sinnvolle erste Prüfpunkte sind:

→ Tritt der Geruch im Haus oder draußen auf?
→ Sind alle Siphons mit Wasser gefüllt?
→ Gibt es selten genutzte Duschen, Waschbecken oder Bodenabläufe?
→ Ist eine Dachentlüftung vorhanden und frei?
→ Gibt es Rückstauanzeichen?
→ Läuft die Anlage störungsfrei?
→ Meldet die Steuerung eine Störung?
→ Ist der Ablauf unauffällig?
→ Ist die Einleitstelle frei?
→ Wurde die Anlage regelmäßig gewartet?

Diese Prüfung hilft, einfache Ursachen auszuschließen, bevor technische Eingriffe vorgenommen werden.


Warum sind Geruchsverschlüsse wichtig?

Geruchsverschlüsse, also Siphons, verhindern, dass Gerüche aus der Abwasserleitung in das Gebäude gelangen.

Wenn ein Ablauf längere Zeit nicht genutzt wird, kann das Wasser im Siphon verdunsten. Dann fehlt die Sperre gegen Gerüche.

Das kann passieren bei:

→ selten genutzten Gäste-WCs
→ Ferienhäusern
→ Wochenendhäusern
→ Bodenabläufen
→ Duschen
→ Waschbecken in Nebenräumen
→ Waschmaschinenanschlüssen
→ Kellerräumen

In solchen Fällen reicht es oft aus, Wasser nachlaufen zu lassen und die Geruchsverschlüsse wieder zu füllen.


Warum ist die Dachentlüftung wichtig?

Die Entlüftung der Abwasseranlage sorgt dafür, dass Druckunterschiede im Leitungssystem ausgeglichen werden. Fehlt diese Entlüftung oder funktioniert sie nicht richtig, können Gerüche oder gluckernde Abläufe entstehen.

Eine unzureichende Entlüftung kann sich zeigen durch:

→ Gerüche im Haus
→ gluckernde Abflüsse
→ leergezogene Siphons
→ Geruch im Bereich der Kläranlage
→ Druckprobleme im Leitungssystem
→ unruhigen Ablauf

Die Entlüftung sollte fachgerecht geplant und dauerhaft funktionsfähig bleiben.


Können Gerüche durch Rückstau entstehen?

Ja. Rückstau oder Verstopfungen können Gerüche verursachen.

Mögliche Hinweise sind:

→ langsamer Ablauf
→ gluckernde Geräusche
→ Wasser tritt aus Bodenabläufen aus
→ Geruch im Gebäude
→ erhöhter Wasserstand in Schächten
→ auffälliger Ablauf an der Einleitstelle
→ Störmeldung der Anlage
→ Rückstau aus Graben, Vorfluter oder Versickerung

Bei Rückstau oder Überlauf sollte zeitnah ein Fachbetrieb eingeschaltet werden, da hier auch Schäden am Gebäude oder an der Anlage entstehen können.


Können falsche Stoffe im Abwasser Gerüche verursachen?

Ja. Bestimmte Stoffe können die biologische Reinigung stören oder zu Ablagerungen, Verstopfungen und Geruchsbildung beitragen.

Nicht geeignet sind zum Beispiel:

→ Feuchttücher
→ Hygieneartikel
→ Windeln
→ Wattestäbchen
→ Speisereste
→ Fette und Öle
→ Farben und Lacke
→ Lösungsmittel
→ Medikamente
→ aggressive Reinigungsmittel
→ Desinfektionsmittel in größeren Mengen
→ Chemikalien

Eine Kleinkläranlage sollte nur mit geeignetem häuslichem oder haushaltsähnlichem Abwasser beschickt werden.


Welche Rolle spielt die Wartung?

Regelmäßige Wartung hilft, Geruchsprobleme frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden.

Bei der Wartung können unter anderem geprüft werden:

→ Belüftung
→ Verdichter
→ Steuerung
→ Schlammstand
→ Zu- und Ablauf
→ technische Komponenten
→ Ablaufqualität
→ Störmeldungen
→ Schläuche und Luftleitungen
→ Zustand der biologischen Reinigungsstufe

Wenn Gerüche auftreten, sollte geprüft werden, wann die letzte Wartung durchgeführt wurde und ob dabei Auffälligkeiten dokumentiert wurden.


Können Gerüche durch zu viel Schlamm entstehen?

Ein zu hoher Schlammstand kann die Funktion der Anlage beeinträchtigen und zu Geruchsproblemen beitragen.

Mögliche Folgen sind:

→ weniger nutzbares Volumen
→ schlechtere Vorklärung
→ Schlammabtrieb
→ Belastung der biologischen Stufe
→ schlechtere Ablaufqualität
→ Verstopfungen
→ unangenehme Gerüche

Wenn der Schlammstand zu hoch ist, kann eine Entschlammung erforderlich werden. Die Entscheidung sollte im Rahmen der Wartung oder durch ein Fachunternehmen getroffen werden.


Was ist bei Versickerung oder Einleitstelle zu prüfen?

Gerüche können auch im Bereich der Einleitstelle oder Versickerung wahrgenommen werden, wenn dort etwas nicht richtig funktioniert.

Zu prüfen sind:

→ Ist die Einleitstelle frei?
→ Gibt es Rückstau?
→ Ist der Graben oder Vorfluter wasserführend?
→ Gibt es Ablagerungen am Ablauf?
→ Ist die Versickerung vernässt?
→ Gibt es Aufstau oder stehendes Wasser?
→ Wird Regenwasser oder Fremdwasser eingeleitet?
→ Ist die Belüftung der Versickerung vorhanden und frei?

Bei auffälliger Einleitstelle oder Vernässung sollte ein Fachbetrieb hinzugezogen werden.


Wann sollte ein Fachbetrieb eingeschaltet werden?

Ein Fachbetrieb sollte eingeschaltet werden, wenn einfache Ursachen ausgeschlossen wurden oder der Geruch wiederkehrt.

Das gilt besonders bei:

→ anhaltendem Geruch im Außenbereich
→ Geruch trotz gefüllter Geruchsverschlüsse
→ Störmeldung der Anlage
→ fehlender Belüftung
→ Rückstau
→ auffälligem Ablaufwasser
→ ungewöhnlichem Schlammstand
→ Verstopfungen
→ Vernässung der Versickerung
→ unklarer Ursache

Technische Eingriffe an Steuerung, Verdichter, Belüftung oder Rohrleitungen sollten nicht eigenmächtig vorgenommen werden.


Was sollten Betreiber dokumentieren?

Wenn Gerüche auftreten, ist eine kurze Dokumentation hilfreich.

Sinnvoll zu notieren sind:

→ Datum und Uhrzeit
→ Ort des Geruchs
→ Wetterlage
→ Nutzungssituation
→ Störmeldungen
→ sichtbare Auffälligkeiten
→ letzte Wartung
→ durchgeführte einfache Kontrollen
→ Kontakt mit Fachbetrieb
→ empfohlene Maßnahmen

Diese Informationen helfen bei der Fehlersuche und können Wartungsfirma oder Fachbetrieb die Einschätzung erleichtern.


Dokumente & Downloads

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Fazit

Gerüche im Umfeld einer Kleinkläranlage können verschiedene Ursachen haben. Häufig liegen sie nicht direkt an der Anlage, sondern an Geruchsverschlüssen, Entlüftung, Rückstau, Leitungen, Einleitstelle oder Betriebsbedingungen.

Eine fachgerecht eingebaute, richtig belüftete und regelmäßig gewartete Kleinkläranlage sollte im normalen Betrieb geruchsarm arbeiten.

Wenn Gerüche dauerhaft auftreten oder mit Störungen, Rückstau oder auffälligem Ablaufwasser verbunden sind, sollte ein Fachbetrieb die Ursache prüfen.