Wie funktioniert eine vollbiologische Kleinkläranlage?

Hinweis

Die Anforderungen können je nach Bundesland, Landkreis, Gemeinde, Einleitstelle und Standort unterschiedlich sein. Verbindlich sind immer die Vorgaben der zuständigen Unteren Wasserbehörde, der jeweiligen Satzung, der wasserrechtlichen Erlaubnis und der technischen Unterlagen zur jeweiligen Anlage.


Einleitung

Eine vollbiologische Kleinkläranlage reinigt häusliches oder haushaltsähnliches Abwasser direkt am Grundstück.

Sie kommt dort zum Einsatz, wo kein Anschluss an die öffentliche Kanalisation vorhanden ist. Das Abwasser wird nicht nur gesammelt, sondern in mehreren Schritten mechanisch und biologisch behandelt.

Die eigentliche Reinigungsleistung übernehmen Mikroorganismen. Sie bauen organische Inhaltsstoffe im Abwasser ab und sorgen dafür, dass das Wasser nach der Behandlung deutlich gereinigt ist.


Aus welchen Reinigungsstufen besteht eine Kleinkläranlage?

Eine vollbiologische Kleinkläranlage arbeitet in mehreren Stufen.

Typische Reinigungsbereiche sind:

→ mechanische Vorklärung
→ biologische Reinigung
→ Nachklärung
→ Ableitung des gereinigten Wassers

Je nach Anlagentyp können Aufbau, Technik und Steuerung unterschiedlich sein. Das Grundprinzip bleibt jedoch ähnlich: Feststoffe werden zurückgehalten, gelöste Schmutzstoffe biologisch abgebaut und Schwebstoffe vor der Ableitung weitgehend entfernt.


Was passiert in der Vorklärung?

In der Vorklärung gelangt das Abwasser zunächst in den ersten Reinigungsbereich. Dort setzen sich grobe und schwere Feststoffe ab.

In der Vorklärung werden unter anderem zurückgehalten:

→ Fäkalienbestandteile
→ Papieranteile
→ Feststoffe aus dem häuslichen Abwasser
→ absetzbare Stoffe
→ Schwimmstoffe
→ Schlamm

Die Vorklärung entlastet die biologische Reinigungsstufe. Gleichzeitig dient sie als Schlammspeicher, der im Rahmen der Wartung und Entschlammung kontrolliert wird.


Was passiert in der biologischen Reinigung?

In der biologischen Reinigungsstufe bauen Mikroorganismen die organischen Schmutzstoffe im Abwasser ab.

Diese Mikroorganismen benötigen:

→ Sauerstoff
→ geeignete Oberfläche oder Trägermaterial
→ Kontakt mit dem Abwasser
→ stabile Betriebsbedingungen
→ passende Belastung
→ regelmäßige Kontrolle und Wartung

Durch den biologischen Abbau werden die im Abwasser enthaltenen organischen Stoffe reduziert. Dieser Prozess ist der zentrale Unterschied zwischen einer vollbiologischen Kleinkläranlage und einer rein mechanischen Altanlage.


Welche Rolle spielt Sauerstoff?

Sauerstoff ist für viele biologische Reinigungsprozesse entscheidend. Die Mikroorganismen benötigen Sauerstoff, um organische Stoffe im Abwasser abzubauen.

Der Sauerstoff wird je nach System durch technische Belüftung eingebracht.

Dabei können zum Beispiel eingesetzt werden:

→ Verdichter
→ Gebläse
→ Belüfterelemente
→ Luftleitungen
→ Steuerung
→ zeitgesteuerte Belüftungsphasen

Die Belüftung muss zur Anlagengröße, zur Belastung und zur technischen Auslegung passen.


Was bedeutet Biofilm?

Viele biologische Kleinkläranlagen arbeiten mit einem sogenannten Biofilm. Das ist eine dünne Schicht aus Mikroorganismen, die sich auf Oberflächen ansiedelt.

Diese Oberflächen können je nach System unterschiedlich gestaltet sein.

Der Biofilm sorgt dafür, dass:

→ Mikroorganismen dauerhaft im System bleiben
→ Abwasserinhaltsstoffe biologisch abgebaut werden
→ die Reinigungsleistung stabilisiert wird
→ die biologische Stufe wirksam arbeitet

Bei Wirbelbett- oder Festbettverfahren spielt dieser Biofilm eine besonders wichtige Rolle.


Wie arbeitet ein Wirbelbettverfahren?

Beim Wirbelbettverfahren befinden sich spezielle Trägermaterialien in der biologischen Reinigungsstufe. Auf diesen Trägern siedeln sich Mikroorganismen als Biofilm an.

Durch die Belüftung werden die Trägerkörper im Wasser bewegt. Dadurch kommen Biofilm, Sauerstoff und Abwasser intensiv miteinander in Kontakt.

Das unterstützt:

→ biologische Reinigung
→ gute Sauerstoffversorgung
→ gleichmäßige Durchmischung
→ stabilen Biofilm
→ wirksamen Abbau organischer Stoffe

Das Wirbelbettverfahren eignet sich besonders für robuste biologische Reinigungsprozesse, auch bei wechselnder Belastung.


Was passiert in der Nachklärung?

Nach der biologischen Reinigung gelangt das behandelte Abwasser in die Nachklärung.

Dort können sich noch vorhandene Schwebstoffe oder abgelöste Biofilmteile absetzen. Das gereinigte Wasser wird vom Schlamm getrennt und verlässt anschließend die Anlage über den Ablauf.

Die Nachklärung ist wichtig für:

→ Rückhalt von Schwebstoffen
→ Trennung von gereinigtem Wasser und Schlamm
→ stabile Ablaufqualität
→ Schutz der Einleitstelle
→ ordnungsgemäßen Anlagenbetrieb

Je nach System wird abgesetzter Schlamm wieder in die Vorklärung zurückgeführt.


Wohin fließt das gereinigte Wasser?

Das gereinigte Wasser wird nach der Behandlung kontrolliert abgeleitet.

Mögliche Einleitwege sind:

→ Graben
→ Vorfluter
→ Oberflächengewässer
→ Versickerung in den Untergrund
→ vorhandene genehmigte Einleitstelle

Welche Einleitart zulässig ist, entscheidet die zuständige Behörde. Die Einleitstelle ist ein wichtiger Bestandteil der Genehmigung und kann Einfluss auf Ablaufklasse und technische Anforderungen haben.


Welche Rolle spielt die Steuerung?

Die Steuerung regelt wichtige Betriebsphasen der Kleinkläranlage. Sie sorgt dafür, dass Belüftung, Schlammrückführung oder andere technische Abläufe passend gesteuert werden.

Eine Steuerung kann unter anderem übernehmen:

→ Belüftungszeiten
→ Pausenintervalle
→ Schlammrückführung
→ Betriebsüberwachung
→ Störmeldung
→ Betriebsstundenerfassung
→ Erinnerungen an Kontrollen
→ Dokumentation technischer Ereignisse

Die eingestellten Betriebsparameter sollten nicht eigenmächtig verändert werden. Änderungen gehören in die Hände von Fachpersonal.


Warum ist regelmäßige Wartung wichtig?

Eine vollbiologische Kleinkläranlage ist ein technisches und biologisches System. Damit sie zuverlässig funktioniert, muss sie regelmäßig kontrolliert und gewartet werden.

Wartung ist wichtig für:

→ stabile Reinigungsleistung
→ Kontrolle der technischen Komponenten
→ Prüfung von Belüftung und Steuerung
→ Bewertung des Schlammstandes
→ Kontrolle von Ablauf und Einleitstelle
→ frühzeitiges Erkennen von Störungen
→ Dokumentation für Betreiber und Behörde

Auch robuste und wartungsarme Anlagen benötigen regelmäßige Kontrolle.


Was kann die Funktion stören?

Bestimmte Stoffe oder Betriebsbedingungen können die biologische Reinigung beeinträchtigen.

Problematisch sind zum Beispiel:

→ Regenwasser im Schmutzwassersystem
→ Fremdwasser
→ Feuchttücher
→ Hygieneartikel
→ Speisereste in größeren Mengen
→ Fette und Öle
→ aggressive Reinigungsmittel
→ Lösungsmittel
→ Farben und Lacke
→ Medikamente
→ Chemikalien
→ stark schwankende oder unpassende Belastung

Eine Kleinkläranlage sollte nur mit geeignetem häuslichem oder haushaltsähnlichem Abwasser beschickt werden.


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Fazit

Eine vollbiologische Kleinkläranlage reinigt Abwasser in mehreren Schritten. Zunächst werden Feststoffe mechanisch zurückgehalten. Danach bauen Mikroorganismen organische Stoffe biologisch ab. In der Nachklärung werden Schwebstoffe abgetrennt, bevor das gereinigte Wasser kontrolliert abgeleitet wird.

Entscheidend für den zuverlässigen Betrieb sind passende Anlagengröße, richtige Ablaufklasse, fachgerechter Einbau, geeignete Einleitstelle, regelmäßige Wartung und ein sorgfältiger Umgang mit dem Abwasser.